30th Jun2011

Wie Google das Internet regiert

by admin

Vorneweg muss ich einmal sagen, alle die selber eine Website betreiben oder bei einem Internetunternehmen arbeiten, können diesen Artikel getrost ignorieren. Er richtet sich viel mehr an diejenigen, die sich fragen, weshalb denn bei Google nicht immer die gewünschten Suchergebnisse oben auftauchen und warum es z.B. Webseiten gibt, in denen bestimmte Wörter auffällig häufig auftauchen und sich gerne mal sämtlichen grammatikalischen Regeln widersetzen. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich, da ich mich im Internet zu Hause fühle, blogge, twittere und auch meinen Lebensunterhalt bei einem Internetunternehmen verdiene, ganz selbstverständlich das Wort Suchmaschinenoptimierung oder kurz SEO (=Search Engine Optimization) verwende und damit meine Offline-Freunde häufig verwirre.

Google entscheidet über den Internet-Erfolg
Fangen wir vorne an. Google ist mächtig. Die Suchmaschine entscheidet maßgeblich über Erfolg und Misserfolg von Internetseiten, denn ein Großteil der Internetuser weltweit (ich könnte jetzt Statistiken raussuchen, mach ich aber nicht ;) sucht mit Google. Und wenn man nicht gerade eine URL hat, die auch so einfach mal jemand eingibt, wie z.B. hamburg.de oder schauspielhaus.de, weil er unter der URL etwas Bestimmtes erwartet, der ist darauf angewiesen bei Google möglichst weit oben in den Suchergebnissen gelistet zu werden. Google hat für die Sortierung seiner Suchergebnisse komplizierte Algorhythmen entwickelt, die das Unternehmen nicht preisgibt, denn sonst könnte man ja seine Seite an die Algorhythmen anpassen, so dass man immer oben gelistet wird.

Von Linktausch und Keyworddichte
Doch auch ohne zu wissen wie Google nun genau funktioniert, kann man etwas tun, damit eine Seite, relativ unabhängig von der Qualität des Inhaltes, weiter oben in den Suchergebnissen gerankt wird als andere. Und diese Praktik nennt sich Google Optimierung. Da man aber, wie gesagt, nicht so recht weiß, was Google macht, gleicht das immer ein wenig dem Blick des Wahrsagers in die Glaskugel. Ich bin kein SEO-Profi, daher weiß ich auch nicht allzu viel über das Thema, ein wenig habe ich aber mittlerweile mitgekriegt. So ist z.B. die Keyword-Dichte sehr wichtig. Will man, dass seine Seite bei Google-Suchen zu einem bestimmten Keyword besonders hoch gerankt wird, so sollte man das Keyword möglichst oft auf dieser Seite unterbringen. So kann es sein, dass in einem Website-Text über Autos dauernd das Wort Auto auftaucht, was wahrscheinlich jedem Deutschlehrer die Tränen in die Augen treiben würde. So beeinflusst Google wahrscheinlich auf Dauer auch den täglichen Sprachgebrauch. Sollte und wollte man früher gerne abwechslungsreich schreiben, so ist es heute wichtig ein bestimmtes Keyword in seinem Text möglichst häufig unterzubringen, um in den Suchergebnissen nach eben diesem Keyword möglichst weit oben aufzutauchen. Die Ergebnisse sind teilweise doch recht kurios, je nachdem wie stark man diese Praktik betreibt.
Ein weiterer Trick von SEO-Fachleuten ist der Linktausch. Google geht davon aus, dass eine Seite, die unter einem bestimmten Begriff besonders häufig verlinkt ist, auch besonders viel zu diesem Begriff bietet. Wer also besonders viele Links zu seiner Seite von anderen Seiten bekommt, der wird bei Google besser gelistet. Seit einigen Jahren ist daher besonders bei kleineren kommerziellen Seiten der Linktausch in Mode, das heißt die eine Seite linkt unter einem bestimmten Keyword auf die andere und umgekehrt. Auch das kann kuriose Folgen haben, denn plötzlich werden Links nicht nur gesetzt, weil man die Seite, auf die man verlinkt, besonders gut findet, sondern weil die Betreiber halt auch auf einen selber linken. Teilweise werden Texte auch nur deshalb geschrieben, um einen Kontext für einen Link zu einer bestimmten Seite zu schaffen. Einige Unternehmen bauen sogar eigene Satelliten-Blogs auf, nur um von diesen wiederum auf ihre Ursprungsseite zu linken. Man weiß also teilweise bei ganzen Seiten nicht, ob diese wirklich informieren und etwas darstellen wollen oder ob sie einzig und allein dem Zweck der Google-Optimierung einer anderen Seite dienen. Übrigens dienen auch Facebook-Unternehmensseiten nicht nur der Selbstdarstellung des entsprechenden Unternehmens sondern auch der Google-Optimierung. Facebook-Fanseiten sind nämlich öffentlich zugänglich und können auch von Nicht-Facebookusern eingesehen werden, dazu gehört auch Google. Und auf so einer Facebook-Seite lassen sich viele Links zur eigenen Website unterbringen.

Die SEO-Götter
Und weil einige besser in die Glaskugel Google schauen können als andere (oder so tun als könnten sie es) ist um die Google Optimierung ein ganzer Berufszweig entstanden. Ja, es gibt tatsächlich professionelle SEOs und sogar ganze Agenturen, die sich nur mit dem Thema beschäftigen. Die kann der kleine Webseitenbetreiber dann für teuer Geld engagieren um seine Seite für Google interessanter zu gestalten. Dazu gehören nicht nur die oben beschriebenen Praktiken, sondern z.B. auch Webseitenarchitektur und Ähnliches. Und so ziemlich jede Seite, auch etablierte wie Spiegel-Online setzen mehr oder weniger auf Googleoptimierung; davon ist auszugehen. Viele Start-Ups haben sogar festangestellte Google Profis, die sich den ganzen Tag nur um Linktausch und solche Dinge kümmern.

Kann alles außer Datenschutz
Aber Google entscheidet nicht nur über den Erfolg von Internetseiten, Google kann mittlerweile auch so ziemlich alles. Wollt ihr wissen welcher Film heute Abend wann in welchem Kino läuft? Gebt mal „Kino Hamburg“ bei Google ein und ihr findet als erstes Ergebnis ein schön übersichtliches Programm mit sämtlichen Filmen und Kinos in eurer Stadt. Mit Google+ soll es jetzt sogar ein Facebook-Pendant von Google geben. Es ist noch in der Testphase, wird aber bald für alle offen sein.
Schon regen sich wieder die Datenschützer auf, dass man Google damit noch mehr „wertvolle“ Daten zugänglich macht. Ähnliche Aufreger gibt es ja regelmäßig bei Facebook. Aber in den modernen Internetzeiten ist Datenschutz sowieso ein Auslaufmodell. Die wertvollen Werberelevanten Daten sind nun einmal das Geschäft von Facebook und Google. Und da die Dienste dieser beiden Firmen nun einmal kostenlos sind, muss man sie anderweitig bezahlen. Der Deal lautet: Soziales Netzwerk gegen Daten. Damit muss man sich abfinden oder sich vom Internet fern halten, denn irgendwie müssen ja auch Google und Facebook Gewinn machen, denn auch ein Mark Zuckerberg muss ja schließlich seine Autos abbezahlen. Und weder Google noch Facebook sind gemeinnützige Organisationen. Sie sind Unternehmen, die möglichst viel Gewinn machen wollen. Das kommt im Kapitalismus häufiger vor. Nun ja ich schweife ab. Es ist jedenfalls zu erwarten, wenn vielleicht auch nicht sofort, dass Google+ auf lange Sicht ein ernsthafter Konkurrent für Facebook werden wird, denn was Google macht, das machen sie richtig! Es gibt noch ein tolles neues Goole-Feature, der +1-Button, den ihr auch in der Trashkantine findet. Wenn ihr ein Google-Konto habt, also z.B. über eine Googlemail-Adresse oder ein Android-Handy, könnt ihr da drauf klicken und tut damit etwas für das Google-Ranking des entsprechenden Inhaltes. Google merkt sich wer auf diesen Button klickt und auch wie vielen Leuten dieser Inhalt gefällt. Wenn etwas vielen Leuten gefällt, dann wird es demnächst auch weit oben in den Suchergebnissen gelistet werden, besonders wenn die eigenen Google+-Freunde diesen Inhalt mögen. Aber sicher werden auch hier wieder eifrige Google-Optimierer einen Weg finden, um daraus eine clevere SEO-Strategie zu machen. Denn noch ist der Mensch leider häufig cleverer als die (Such-)Maschine.

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